Schalten unter Last Die Revolution von Dr.-Ing. Bernhard Jansen

Die Revolution von Dr.-Ing. Bernhard Jansen

Stromnetze müssen stabil bleiben, auch wenn sich die Belastung ändert. Dafür sorgen Transformatoren. Sie passen die Spannung an, damit Geräte zuverlässig funktionieren. Dazu können Transformatoren verschiedene Spannungen aufnehmen und ausgeben.

Um diese Spannung während des Betriebs einstellen zu können, nutzt man sogenannte Stufenschalter, die unterschiedliche Wicklungsanzapfungen ansteuern.

Bei Umschalten der Stufen eines Regeltransformators entstehen kurzfristig hohe Stromspitzen (Stoßströme), wenn die Kontakte von einer Wicklungsanzapfung zur nächsten wechseln.

Vor der Erfindung des Widerstands­schnellschalters mussten die Transformatoren deshalb vor einem Schaltvorgang abgeschaltet und danach wieder eingeschaltet werden. Das Ergebnis in einer Zeit der isolierten Netze: Stromausfälle.

Dieses Problem löst der von Dr.-Ing. Bernhard Jansen entwickelte Widerstands­schnellschalter durch ein zweistufiges Schaltprinzip.

Technische Erklärung

  • Vor dem Wechsel auf die nächste Stufe wird ein Widerstand zugeschaltet.
  • Der Effekt des Widerstands:
    • Er begrenzt den Kurzschlussstrom
    • Er reduziert Funkenbildung beim Kontaktwechsel
    • Er schützt die Schaltkontakte und den Transformator
  • Der eigentliche Umschalter bewegt sich dabei im Millisekundenbereich - daher der Name Schnellschalter.
  • Sobald die neue Stufe sicher übernommen ist, wird der Widerstand wieder kurzgeschlossen. Der Strom fließt wieder direkt über den Hauptkontakt.
  • Damit läuft der Transformator wieder im normalen, verlustarmen Betrieb – der Widerstand ist nur während des Umschaltens aktiv. 

Der kritische Moment ist die Übergangsphase, in der sonst hohe Ströme oder Funken entstehen könnten. Damit diese Gefahren nicht auftreten, erfolgt der Kontaktwechsel in Millisekunden und mit klar definiertem Widerstandseinsatz.

Ein Widerstands­schnellschalter besteht im Wesentlichen aus:

  • Hauptkontakten: übernehmen den Dauerstrom
  • Widerstands­kontakten: schalten kurzzeitig den Vorwiderstand zu
  • Vorwiderständen: begrenzen den Strom beim Umschalten
  • Mechanik und Antrieb: bewegt die Kontakte sehr schnell und exakt

Die Kontakte bewegen sich in einer genau festgelegten Reihenfolge (Schaltlogik), um jeden Kurzschluss zu vermeiden. 

  • Ermöglicht kontinuierliche Spannungsregelung = keine Abschaltung des Transformators nötig
  • Vermeidung von Netzrückwirkungen = höhere Stabilität und Sicherheit

Mit dieser Erfindung wurde erstmals eine Spannungsanpassung im laufenden Betrieb möglich. Das war entscheidend für:  

  • Versorgungssicherheit in wachsenden Stromnetzen  
  • Integration neuer Verbraucher und Erzeuger ohne Netzunterbrechung  
  • Den Weg für die Entwicklung moderner Laststufenschalter, die heute weltweit Standard sind. 

Ohne die Erfindung des Widerstands­schnellschalters wäre die Vermaschung und flexible Netzregelung, wie wir sie heute kennen, nicht denkbar. Heute regeln Lösungen von MR etwa die Hälfte der weltweiten Energie.